Obscura I-V.

Die Werkreihe Obscura I-V thematisiert die Entstehung des Lebens an hydrothermalen Tiefseequellen, jenen lebensfeindlichen und zugleich lebensstiftenden Umgebungen in der ozeanischen Tiefe. Ohne direkte Vorlage entstehen plastische Gebilde, die sich mit Vorstellungskraft, Empathie und Wissen den unsichtbaren Räumen der Tiefsee annähern. Wie bei einer Lochkamera formt sich ein Bild nicht durch direkte Sicht, sondern durch Projektion, sodass ein ästhetisches Abbild des Unbekannten entsteht.

Die Arbeiten verweisen damit auf die Ambivalenz menschlicher Neugier zwischen Faszination sowie Erkenntnisdrang einerseits und Aneignung, Ausbeutung sowie Zerstörung andererseits. Obscura stellt die Frage, wie wir mit jenen Räumen umgehen, die von existenzieller Bedeutung sind – sowohl für das Leben selbst als auch im Hinblick auf die ethische Dimension menschlichen Handelns.

Die Oberflächen der Keramiken greifen die Verflechtung von Wachstum und Spuren auf: Strukturen erinnern an Mikroorganismen, Korallen oder Polypen als auch an technische Raster und künstliche Materialien. So wird ein anthropozäner Einschreibungsprozess sichtbar, in dem Nähe, Nutzen und Überformung der Natur durch den Menschen ineinandergreifen. Die Glasuren bestehen ausschließlich aus Metalloxiden, wie sie auch in realen Tiefseequellen vorkommen. Sie spiegeln nicht nur die natürliche Vielfalt wider, sondern verweisen auch auf deren Rolle als strategische Rohstoffe im Kontext aktueller Tiefseebergbau-Debatten. Metallbecken mit Kohle gefärbtem Meerwasser schaffen einen Moment von Extraktion, Konservierung sowie Tiefe und Dunkelheit.